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- Klingersil® – Faserstoffdichtungen der Klinger Group
Was ist Klingersil® – Faserstoffdichtungen der Klinger Group?
Klingersil® ist der Markenname der österreichischen Klinger Group für komprimierte, asbestfreie Faserstoffdichtungsplatten. In der industriellen Praxis gehört Klingersil zu den meistverarbeiteten Flachdichtungsmaterialien überhaupt. Nicht weil es das billigste ist, sondern weil es für ein breites Spektrum an Medien, Temperaturen und Drücken zuverlässig funktioniert und über ein lückenloses Zulassungssystem verfügt. Deshalb finden Sie Klingersil® Flachdichtungen auch in unserem Dichtungssortiment.
Diese Wissensseite zur Marke Klingersil® erklärt, was den Werkstoff technisch ausmacht, welche Varianten die Klinger Group anbietet und welcher Typ für welche Anwendung geeignet ist.
Was ist Klingersil?
Klingersil ist ein sogenannter CNAF-Werkstoff – Compressed Non-Asbestos Fiber. Die Bezeichnung beschreibt den Herstellprozess: Fasern und ein Elastomer-Binder werden unter hohem Druck zu einer homogenen Platte kalandriert. Das Ergebnis ist ein dimensionsstabiles, schneidbares Dichtungsmaterial, das für statische Flanschanwendungen ausgelegt ist.
Die Werkstoffklasse Faserstoffdichtung ist seit Jahrzehnten etabliert – sie löste in den 1980er Jahren asbesthaltige Dichtungsmaterialien ab und hat seitdem keinen grundlegenden Paradigmenwechsel erlebt, weil sie schlicht funktioniert. Klingersil ist innerhalb dieser Werkstoffklasse die Referenzmarke: Normen, Ausschreibungen und technische Vorschriften nennen oft explizit Klingersil oder gleichwertig als Anforderung.
Klingerit und Klingersil – ein Begriff, zwei Namen
Wer im deutschsprachigen Werkstattalltag von Klingerit spricht, meint dasselbe Material. Klingerit ist die ältere Bezeichnung, die sich besonders in Österreich und Süddeutschland in Sprachgebrauch, technischen Zeichnungen und älteren Normen erhalten hat.
Der heute gültige Markenname lautet Klingersil®. Für die Materialauswahl und Verarbeitung ist der Unterschied irrelevant – beide Begriffe bezeichnen Faserstoffdichtungsplatten der Klinger Group.
Materialaufbau: Fasern und NBR als Grundprinzip
Der klassische Klingersil-Aufbau basiert auf zwei Komponenten: hochfeste Fasern als mechanisches Gerüst und NBR (Nitrilkautschuk) als Bindematrix. Der NBR-Binder dichtet die Faserstruktur ab und verleiht dem Material seine Beständigkeit gegenüber Mineralölen, Kraftstoffen und aliphatischen Kohlenwasserstoffen.
Der entscheidende Unterschied zwischen den Varianten liegt im Fasertyp: C-4400 und C-4430 basieren auf Aramidfasern – bekannt aus Hochleistungsanwendungen wie Schnittschutz oder Bremsbelägen – die für Druckfestigkeit und Formstabilität sorgen. C-4500 setzt stattdessen auf Kohlenstofffasern mit speziellen wärmebeständigen Zusatzstoffen, was diesen Typ für alkalische Medien und Hochdruckdampf besonders geeignet macht.
Graphit-Dichtungen der Klinger Group verzichten vollständig auf organische Fasern und basieren auf expandiertem Graphit – ein eigener Werkstofftyp für extreme Bedingungen.
Die Klingersil-Varianten im Überblick
Die Klinger Group bietet mehrere Klingersil-Typen mit unterschiedlichen Eigenschaftsprofilen. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Varianten mit Temperaturgrenzen, Druckbelastbarkeit und Zulassungen:
| Bezeichnung | Charakteristik | Temperaturbereich Max. Druck | Wichtige Zulassungen |
|---|---|---|---|
| Klingersil® C-4400 | Universaltyp; öl-, gas- und lösungsmittelbeständig | −100 °C bis +250 °C bis 100 bar | DIN-DVGW, BAM (Sauerstoff) |
| Klingersil® C-4430 | Dampf- und Trinkwasserspezialist | −100 °C bis +250 °C bis 100 bar | KTW, DVGW W 270, FDA |
| Klingersil® C-4500 | Kohlenstofffaser-Typ; alkalische Medien, Hochdruckdampf | −100 °C bis +250 °C bis 100 bar | DIN-DVGW, BAM, DVGW W 270, TA-Luft, Fire-Safe |
| Klingersil® C-4500 SLS | Wie C-4500, glatte Oberfläche für niedrige Anpresskräfte | −100 °C bis +250 °C bis 100 bar | Fire-Safe |
| Klinger® Graphite | Expandiertes Graphit; extreme Temperaturen, aggressive Medien | −200 °C bis +450 °C bis 250 bar | Fire-Safe, TA-Luft |
| Klingersil® C-4430 Ultra | Weiterentwicklung C-4430; erhöhte Druckfestigkeit | −100 °C bis +250 °C bis 150 bar | KTW, FDA |

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Zulassungen: Was BAM, DVGW, KTW und Fire-Safe konkret bedeuten
Für Einkäufer und Planer ist die Zulassungsfrage oft entscheidender als technische Kennwerte. Ein Klingersil-Typ ohne die geforderte Zulassung ist in regulierten Anwendungen schlicht nicht einsetzbar – unabhängig davon, wie gut er dichten würde.
Die BAM-Zulassung der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung bestätigt die Eignung für sauerstoffreiche Umgebungen. In Sauerstoffanlagen, aber auch in Teilen der Gas- und Prozesstechnik ist sie Pflichtanforderung. Von den Standard-Klingersil-Typen erfüllen C-4400 und C-4500 diese Anforderung.
Die DVGW-Zulassung ist in Deutschland Voraussetzung für den Einsatz in Gas- und Trinkwasserinstallationen. Die ergänzende Prüfung nach DVGW W 270 bewertet zusätzlich das mikrobiologische Verhalten im Kontakt mit Trinkwasser und ist für Trinkwasserinstallationen zwingend – nur C-4430 erfüllt diese Anforderung in der Klingersil-Familie.
Der KTW-Eignungsnachweis (Kunststoff-Trinkwasser-Richtlinie des Umweltbundesamts) bescheinigt, dass der Werkstoff keine gesundheitsschädlichen Stoffe ins Trinkwasser abgibt. Er ist relevant für Wasserversorgungsunternehmen, Lebensmitteltechnik und überall dort, wo direkter Trinkwasserkontakt besteht. Die FDA-Konformität nach 21 CFR ist das US-amerikanische Äquivalent und entscheidend für internationale Projekte in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie.
Fire-Safe nach DIN EN ISO 10497 ist keine Materialzulassung im klassischen Sinne, sondern eine Armaturenprüfnorm: Sie stellt sicher, dass eine Dichtung bei direkter Flammeneinwirkung die Dichtwirkung für eine definierte Zeitspanne aufrechterhält. In der Petrochemie, im Raffineriebetrieb und in anderen sicherheitskritischen Anlagen ist Fire-Safe-Eignung oft vorgeschrieben.
Anwendungsbereiche in der industriellen Praxis
Klingersil-Dichtungen kommen überall dort zum Einsatz, wo Flanschverbindungen unter Druck und Temperatur dauerhaft dicht bleiben müssen. Im Maschinenbau und Werkzeugbau ist Klingersil C-4400 der meistverwendete Standardtyp für Rohrleitungsflansche, Pumpengehäuse und Ventile.
In Dampfsystemen – Sattdampf bis 250 °C – hat sich C-4430 als Referenzwerkstoff etabliert, weil er sowohl die thermischen als auch die regulatorischen Anforderungen erfüllt.
In der chemischen Industrie hängt die Typauswahl vom Medium ab: Für organische Lösungsmittel und mineralölbasierte Medien ist C-4400 die erste Wahl; bei anorganischen Säuren, Laugen oder erhöhten Temperaturen kommt C-4500 oder Klinger Graphite zum Einsatz.
In der Trinkwasser- und Lebensmittelversorgung setzt die Zulassungslage die Wahl auf C-4430 fest. In der Petrochemie und in Raffineriebetrieben, wo Flanschverbindungen auch im Brandfall dicht bleiben müssen, sind C-4500 und Graphite-Typen mit Fire-Safe-Zertifizierung die einzig akzeptablen Werkstoffe.

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Klingersil bei Kofler - Dichtungen
Kofler Dichtungen führt Klingersil® C-4400, C-4430 und C-4500 ab Lager und verarbeitet diese per Wasserstrahlschnitt nach Zeichnung, Flanschnorm oder Muster – auch ab Stück 1. Als Alternative zu Klingersil bietet Kofler - Dichtungen Frenzelit Novapress® an, einen Faserstoff mit vergleichbarem Eigenschaftsprofil, der für bestimmte Anwendungen eine wirtschaftlich sinnvolle Option darstellt.




