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Flachdichtungen – Werkstoffe, Auswahl und technische Grundlagen
Flachdichtungen gehören zu den meistverwendeten Dichtelementen im Maschinen- und Anlagenbau. Sie dichten statische Verbindungen, vor allem Flansche, Gehäusedeckel und Rohrverschraubungen, gegen den Austritt von Flüssigkeiten und Gasen ab.
Die Auswahl des richtigen Werkstoffs hängt vom Medium, der Temperatur, dem Druck und den geltenden Normen ab. Diese Seite gibt einen strukturierten Überblick über Funktion, Materialtypen, Auswahlkriterien und Normen.
Was ist eine Flachdichtung?
Eine Flachdichtung ist ein flaches, plattenförmiges Dichtelement, das zwischen zwei Gegenflächen eingespannt wird. Die Dichtwirkung entsteht durch plastische oder elastische Verformung des Dichtungswerkstoffs unter dem Anpressdruck der Verbindungsschrauben:
Das Material füllt mikroskopische Unebenheiten der Flanschflächen aus und verhindert so den Mediendurchtritt. Je nach Werkstoff reagiert die Dichtung dabei vorwiegend elastisch (sie kehrt nach Entlastung in ihre ursprüngliche Form zurück) oder vorwiegend plastisch, das heißt sie verformt sich dauerhaft und muss nach dem Lösen der Verbindung ersetzt werden.
Flachdichtungen sind statische Dichtelemente: Sie dichten ruhende Verbindungen ab und sind nicht für dynamische Anwendungen wie Wellen oder Kolben geeignet. Ihr Haupteinsatzgebiet sind Flanschverbindungen in Rohrleitungssystemen, Armaturen, Pumpen und Druckbehältern.
Weichstoffdichtung, Faserstoffdichtung, Metalldichtung – was ist der Unterschied?
Der Begriff Weichstoffdichtung ist der Oberbegriff für alle Flachdichtungen aus nicht-metallischen Werkstoffen. Innerhalb dieser Gruppe unterscheidet man zwischen elastomerbasierten Dichtungen (Gummi, EPDM, NBR, FKM) und Faserstoffdichtungen (auch: Kompaktdichtungen oder CNAF-Dichtungen).
Faserstoffdichtungen wie Klingersil® bestehen aus einem Fasergerüst mit einem Elastomer-Binder und sind speziell für statische Flanschanwendungen unter hohem Druck und erhöhter Temperatur ausgelegt.
Metalldichtungen wie Spiralwunddichtungen, Ring-Joint-Dichtungen oder Vollmetallflachdichtungen kommen dort zum Einsatz, wo Weichstoffdichtungen an ihre Grenzen stoßen: bei sehr hohen Drücken, extremen Temperaturen oder hochaggressiven Medien in der Petrochemie und im Kraftwerksbau. Sie erfordern höhere Anpresskräfte und gehören in einen eigenen Planungsbereich.
Flachdichtung Materialien – Überblick und Entscheidungsgrundlage
Die Materialwahl ist die wichtigste Entscheidung bei der Flachdichtungsauslegung. Kein Werkstoff eignet sich für alle Anwendungen; jedes Material hat definierte Einsatzgrenzen bei Temperatur, Druck und Medienbeständigkeit.
Die folgende Tabelle zeigt die gängigsten Werkstoffe mit ihren Kerneigenschaften:
| Werkstoff | Temperaturbereich | Typische Medien | Stärken |
|---|---|---|---|
| NBR (Nitrilkautschuk) | −30 °C bis +120 °C | Mineralöle, Kraftstoffe, Fette | Hohe Druckelastizität, kostengünstig |
| EPDM | −40 °C bis +120 °C | Wasser, Dampf, Säuren, Laugen | UV- und witterungsbeständig, lebensmitteltauglich |
| FKM (Viton®) | −20 °C bis +200 °C | Kohlenwasserstoffe, Chlor, Kraftstoffe | Breite Chemikalienbeständigkeit |
| PTFE (Teflon®) | −200 °C bis +260 °C | Fast alle Medien (pH 0–14) | Universelle Chemikalienbeständigkeit, FDA-konform |
| Faserstoff (Klingersil®, Novapress®) | −100 °C bis +140 - +250 °C | Öl, Gas, Dampf, Wasser, Chemie | Hohe Druckfestigkeit, breite Zulassungen |
| Graphit | −240 °C bis +550 °C | Dampf, Säuren, Laugen, Chemie | Extreme Temperaturen, Fire-Safe |
| Silikon (VMQ) | −60 °C bis +200 °C | Lebensmittel, Pharma, Luft | Lebensmitteltauglich, gute Alterungsbeständigkeit |
| Novamica Thermex (Glimmer Werkstoffe) | -100 °C bis +1000 °C | Abgase, Heißgase, aggressive Chemikalien, Kesselanwendungen | Extrem hitzebeständig, hohe chemische Beständigkeit, nicht brennbar, gute elektrische Isolation |
Gummi-Flachdichtungen (NBR, EPDM, FKM, Silikon) eignen sich für niedrige bis mittlere Betriebsdrücke und moderate Temperaturen. Faserstoffdichtungen wie Klingersil® decken höhere Drücke und Temperaturen ab und sind in regulierten Anwendungen (Gas, Trinkwasser, Sauerstoff) oft die einzig zugelassene Option. Graphitdichtungen schließlich übernehmen dort, wo organische Werkstoffe versagen.
Wie wählt man die richtige Flachdichtung aus?
Die Materialauswahl folgt einer klaren Reihenfolge: Zuerst definiert man die Betriebsbedingungen (Medium, Temperatur, Druck), danach prüft man regulatorische Anforderungen (Zulassungen), und erst dann entscheidet man sich für einen Werkstoff. Ein häufiger Fehler ist die umgekehrte Vorgehensweise, nämlich zuerst ein vertrautes oder günstiges Material zu wählen und dann zu hoffen, dass es die Anforderungen erfüllt.
Für die meisten Standard-Flanschanwendungen in Industrie und Maschinenbau gilt folgende Grundregel: NBR für Öl und Kraftstoff, EPDM für Wasser und wässrige Medien, FKM für aggressive organische Chemie, Faserstoff (Klingersil®) für Gas, Dampf und regulierte Anwendungen, PTFE wenn das Medium sonst keinen Werkstoff verträgt, Graphit für alles jenseits von 250 °C. Jetzt die richtige Flachdichtungen bestellen bei Kofler - Dichtungen!

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Normen und Maße: DIN, EN und ASME für Flachdichtungen
Flachdichtungen für Flanschverbindungen folgen genormten Abmessungen, die sich aus der Flanschnorm und dem Nenndruck ableiten. In Europa ist DIN EN 1514-1 (Flachdichtungen für PN-Flansche nach DIN EN 1092-1) der maßgebliche Standard. Die Norm definiert Innen- und Außendurchmesser der Dichtung in Abhängigkeit von Nennweite (DN) und Nenndruck (PN).
Im amerikanischen und internationalen Anlagenbau gilt ASME B16.21 als Referenznorm für Flachdichtungen an ASME-Flanschen (Class 150 bis Class 2500). Die Abmessungen weichen von den europäischen DN/PN-Reihen ab und sind nicht kompatibel. Bei internationalen Projekten ist daher die Klärung der Flanschnorm der erste Schritt vor jeder Dichtungsbestellung.
Der Nenndruck (PN) gibt die maximale Betriebsdruckstufe bei einer Bezugstemperatur von 20 °C an. Mit steigender Betriebstemperatur sinkt der zulässige Betriebsdruck entsprechend der Druck-Temperatur-Kurve des jeweiligen Werkstoffs. Für die Auslegung ist daher immer die Kombination aus maximalem Betriebsdruck und maximaler Betriebstemperatur maßgeblich, nicht die Einzelwerte für sich.
Flachdichtungen bei Kofler - Dichtungen
Kofler - Dichtungen fertigt Flachdichtungen aus allen gängigen Werkstoffen – Faserstoff (Klingersil®, Frenzelit Novapress®), Graphit, PTFE, NBR, EPDM, FKM und Silikon – nach Flanschnorm (DIN EN 1514-1, ASME B16.21) oder nach Zeichnung. Gefertigt wird per Wasserstrahlschnitt oder Stanzen, ab Stück 1, mit Turbo-Service für dringende Bedarfe.


